Erfahrungsbericht Thomas D.
Ich heiße Thomas D. Ich bin im Oktober 1990 zum ersten Mal in die Meetings gekommen und auch über all die Jahre kontinuierlich dabei geblieben. Ich war in der ganzen Zeit Mitglied einer anderen Zwölf-Schritte-Gemeinschaft und kannte daher das Buch der Anonymen Alkoholiker nur vom "Hörensagen", bzw. es stand unangetastet in meinem Regal.
Im Jahre 2001 geriet ich dann in meine bis dahin schwerste Lebenskrise. Ich war all die Jahre zwar ohne Rückfall geblieben und hatte auch im Programm gearbeitet, allerdings hatte ich nie das Gefühl, meiner inneren Leere entkommen zu sein und so verwendete ich viel Energie darauf, dieses "Loch" mit irgendetwas von außen zu stopfen. Mein Zustand verschlechterte sich Ende der 90er Jahre und im Mai 2001 kam ich an meinen Tiefpunkt - auch ohne Rückfall. In diesem Jahr bekam ich unter anderem so furchtbare Depressionen, dass ich sogar ernsthaft in Erwägung zog, meinem Leben ein Ende zu setzen.
Ich rettete mich dann im Januar 2002 in eine Klinik, wo sich mein Zustand mit Hilfe therapeutischer Behandlung etwas verbesserte.
Nach diesem Aufenthalt verbrachte ich ein halbes Jahr in den USA, wo ich in einem Haus für Alkoholiker und drogenabhängige Männer arbeitete. Ich erhöhte dort auch meine Anzahl an Meetingsbesuchen, indem ich sieben bis acht Meetings pro Woche besuchte. Im Herbst lernte ich über einen Freund, Phil P. in Columbus / Ohio kennen. Er erwähnte etwas - von der inzwischen in Vergessenheit geratenen - ursprünglichen Art, die Schritte aus dem "Blauen Buch" der Anonymen Alkoholiker zu machen. So, wie es in den ersten 20 Jahren der AA damals üblich war. Ich "spürte" etwas, während er mir davon erzählte, das mich in innere Aufregung versetzte und verabredete mich für ein Wochenende mit ihm in Columbus.
Dort angekommen traf ich Freitagabend in einem AA Meeting Philís Sponsor Jim. Er lud uns für den kommenden Tag ein, an einem Schritteworkshop teilzunehmen. Am nächsten Morgen - es war der 16.11.2002 - saß ich mit ca. 200 anderen TeilnehmerInnen in einem "Back to Basics" Workshop der von Wally P. moderiert wurde. Uns wurde erklärt, dass wir in den nächsten sechs Stunden durch alle zwölf Schritte gehen würden. Ich hielt das für unmöglich, da ich für die erste Runde durch die Schritte 8 Jahre(!) gebraucht hatte und vor kurzem im Eiltempo - nämlich in 13 Monaten - durch den Prozess gegangen war. Meine furchtbare Depression noch in Erinnerung und angesteckt durch die Atmosphäre um mich herum, konnte ich alle Vorbehalte und mein Wissen an die Seite stellen und meine lebensverändernde spirituelle Erfahrung machen. Ich fand Mithilfe der zwölf Schritte auf eine bisher ungekannte einfache Weise eine Verbindung zu meiner höheren Macht, die mir bis dahin verschlossen geblieben war. Mir fehlen die Worte diese tiefgreifende Erfahrung auszudrücken. Ich weiß nur, dass dies ermöglicht wurde, weil ich die Gnade erhielt, die ursprüngliche Botschaft unseres Programms zu erfahren. Seit diesem Tag lebe ich unter der direkten Führung meiner höheren Macht und diese innere Leere, die mich über 30 Jahre begleitet hat, ist ausgefüllt.
Mit dieser tiefgreifenden Veränderung im Herzen kehrte ich nach Deutschland zurück. Ich wusste, es gab zwei Dinge zu tun, um nicht in den "alten" Zustand zurückzufallen. Erstens musste ich meine Verpflichtung, unter Gottes Führung mit ganzer Hingabe zu leben, jeden Tag erneuern und zweitens musste ich einen Weg finden, diese Botschaft weiterzugeben, indem ich dieses einfache spirituelle Handwerkszeug an andere Menschen weitergebe.
Ich danke Gott, dass er mir eine Partnerin in mein Leben brachte, die sich genauso hingebungsvoll diesem Programm widmete und wir dadurch gemeinsam die nötige Kraft erhielten, dieses Buch zu übersetzen und dass wir durch Sponsorschaft und "Back to Basics" Workshops im Jahre 2003 ca. 400 Menschen mit dieser Leben verändernden Botschaft in Berührung bringen konnten.
Meine Hoffnung ist, dass nun durch dieses Buch in deutscher Ausgabe noch mehr Menschen im deutschsprachigen Raum geholfen werden kann, ein besseres Verständnis für den Ursprung unseres Programms zu gewinnen und auch diese Leben verändernde Erfahrung zu machen.
Mit tiefer Dankbarkeit an die Mitbegründer der Anonymen Alkoholiker - Bill Wilson und Dr. Bob Smith.
Thomas D.



